Sonntag, 20. März 2016

Tage mit Leuchtkäfern von Zoe Hagen


erschienen bei Ullstein

Zum Inhalt

»Das Leben ist ein Privileg«, sagte ich. »Das Leben ist ein Privileg?«, fragte Noah erstaunt. »Ja«, sagte ich. Noah zog die Luft ein, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er drehte sich zu Fred und den anderen um und fragte: »Wo zum Henker hast du denn den kleinen Gandhi hier her?«
Du bist einsam und unglücklich, dein Leben wie ein falscher Film, der an dir vorbeiläuft. Bis du neue Freunde triffst. Gut, die sind alle ein bisschen verrückt, sie nennen sich »Der Club der verhinderten Selbstmörder«. Aber sie geben dir Halt und sind wie Leuchtkäfer in deiner bodenlosen Traurigkeit. Denn du hast nur das eine Leben.
(Quelle: Verlag)


Zum Buch

Dies ist wirklich mal ein Buch, das durch den Klappentext so gut wie gar nichts verrät und man sich einfach auf die Geschichte einlassen muss. Erzählt wird in einer Art Tagebuchstil. Es sind Briefe mit der Anrede „Lieber Gott“, die das Leben der Protagonistin über ein gutes halbes Jahr hinweg schildern. Eigentlich wird aber kaum ihr Leben, sondern eher ihre Gefühlswelt offengelegt. Es geht um die tiefsten Emotionen eines Menschen, Ängste oder auch Träume. Die schönen Kindheitserinnerungen kommen auch nicht zu kurz und lassen den Leser einen Einblick auf das Früher von Gandhi erhaschen. Gandhi – ein echt merkwürdiger Name für ein 15-jähriges Mädchen… Dieser Spitzname wird ihr von ihren neuen Freunden verpasst, und der Leser erfährt ihren richtigen Namen erst kurz vor Ende. Dadurch ist man dem Mädchen auf eine Weise zwar nah, behält aber trotzdem eine gewisse Distanz. Mir ist es jedenfalls so ergangen.

Und ich glaube, die meisten Menschen sind glücklich, aber die wenigsten wissen es.
Seite 15

Das Buch strotzt nur so von schönen Worten und Zitaten, der Schreibstil der Autorin ist etwas Besonderes. Teilweise findet sich der Leser in einer Welt der Poesie wieder, was mir gut gefiel und nicht zu übertrieben wirkte.
Gandhis Freundschaft mit dem „Club der verhinderten Selbstmörder“ ist schon eine merkwürdige Konstellation. Nicht nur, weil die Mitglieder alle wesentlich älter als das Mädchen sind. Oft werden Situationen und Ereignisse beschrieben, die die sechs zusammen erleben. Es ging gar nicht, wie von mir erwartet, um die Vorgeschichten der „Selbstmörder“ - dies enttäuschte mich etwas. So blieben die fünf jungen Leute doch eher nur graue Schemen für mich.

„Das Leben ist ein Privileg“, sagte ich.
Seite 36

Ich denke, dass man bei diesem Buch auch viel zwischen den Zeilen lesen sollte, um die oben genannte Aussage genau zu verinnerlichen. Die Autorin beschreibt wahnsinnig schlechte Tage der Protagonistin mit den Auswirkungen gewisser Essstörungen, dem Teenie-mäßigen Mutter-Tochter-Konflikt und dem Selbstverletzen. Doch dann kommen wieder die lebensbejahenden Passagen, die den Leser anstacheln, das Mädchen weiter zu unterstützen.  

Glühwürmchen sind gar keine Würmer, sondern Käfer. Leuchtkäfer.
Seite 43

Zoe Hagen hat mich mit ihrem Buch Tage mit Leuchtkäfern fast ganz überzeugen können. Allein die etwas schwammig gezeichneten Freunde von Protagonistin Gandhi und ihre quasi nicht diskutierte Vergangenheit zerstörten etwas meine Lesefreude. Dadurch konnte ich mich mit dem Ende der Story nicht so ganz anfreunden, da mir gewisse Wendungen zu abrupt geschahen. Ansonsten ein tolles Buch, das die schlechten, aber auch die guten Dinge des Lebens zeigt. Man sollte öfter zwischen den Zeilen lesen, mehr interpretieren und sich die Augen öffnen lassen. Eine besondere Erzählweise mit teils schon poetischen Passagen erhält von mir an dieser Stelle 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.

Meine Arme sind zerfetzt, mein Herz ist gebrochen und mein Gehirn zerfressen.
Seite 141


 Zum Autor

Zoe Hagen, geboren 1994, steht regelmäßig mit ihren Texten auf der Bühne. 2014 wurde sie deutsche Vize-Meisterin der U20-Poetry Slammer. Ihr Debüt schrieb sie mit 17 Jahren binnen weniger Wochen. Damals hätte sie sich über mehr Glühwürmchen in ihrem Leben gefreut.

© Nadine Städtner

192 Seiten
ISBN 978-3-5482-8694-5
Preis: 13,00 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars bedanken!




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen