Montag, 20. April 2015

Der Schneeleopard von Tess Gerritsen




erschienen bei Limes

Der Klappentext

Die Polizei von Boston ermittelt in einem bizarren Mordfall. Die Leiche eines Jägers und Tierpräparators wurde gefunden – ausgeweidet und aufgehängt wie eines seiner Beutetiere. In den Wäldern werden Knochenreste eines weiteren Opfers entdeckt. Doch Boston ist nicht das einzige Jagdrevier des Killers. Es scheint eine Verbindung zu einem fünf Jahre zurückliegenden Vorfall in Afrika zu geben, wo die Teilnehmer einer Safari auf ungeklärte Weise verschwanden. Jane Rizzoli reist nach Botswana, um dem heimtückischen Mörder auf die Spur zu kommen…

Meine Meinung zum Cover

Das Cover ist ganz typisch für die Tess Gerritsen-Bücher um ihre Protagonistin Jane Rizzoli. Für mich hat es immer den Anschein, ein Gemälde anzuschauen, obwohl dieses Mal die Farben wesentlich heller und freundlicher wirken. Als Motiv sieht der Leser einen toten Vogel, was ein erster Hinweis auf den Tierpräparator ist. Die spannende Story besteht aus 40 Kapiteln, die zum Teil in Boston, zum Teil in Afrika spielen.


Charaktere und meine Meinung

Jane Rizzoli ist eine erfahrene Polizistin in Boston, verheiratet mit einem FBI-Agenten und Mutter einer mittlerweile 3-jährigen Tochter. Sie ist ganz und gar nicht der Modeltyp, was sie mir vom ersten Buch an nur noch sympathischer machte. Bei ihr kommt es darauf an, was sie kann, wie sie ihre Arbeit und Fähigkeiten umsetzt – dafür braucht man keine topmoderne Frisur oder teure Kleidung. Rizzoli ist schlagfertig und intelligent, aber auch manchmal verletzlich. Gerade durch ihre früheren Fälle bröckelt so manches Mal ihre Fassade und sie wirkt absolut authentisch und menschlich.
Maura Isles ist Gerichtsmedizinerin und das krasse Gegenteil von Rizzoli. Sie achtet auf eine makellose Frisur und saubere Kleidung, die ausschließlich aus Schwarz besteht. Doch Maura ist keine arrogante Zicke, wie man nun vielleicht glauben möchte, ganz im Gegenteil. Bei ihr fiel es mir jahrelang schwer, sie richtig einzuschätzen, weil sie doch sehr zurückgezogen lebt und wenig von ihrem Privatleben preisgibt. Maura ist kein geselliger Typ, sie geht voll und ganz in ihrer Arbeit auf und kommt mit den Toten besser aus als mit den Lebenden. Doch trotzdem bekommt man als Leser mit der Zeit immer mehr ein Gefühl für diese Frau und kann hinter ihre sorgsam gezogenen Mauern sehen…
Millie ist mit ihrem Freund Richard und fünf weiteren Teilnehmern auf Safari in Botswana. Es ist sein Traum, sie macht diese Fahrt nur ihm zuliebe. Schnell fühlt sich Millie beiseite geschoben und nicht beachtet. Richard lässt seine Aufmerksamkeit lieber jüngeren Safari-Teilnehmerinnen zukommen. Ein Streit bleibt nicht aus, eine mittlere Katastrophe ist vorprogrammiert. Millie empfand ich als „normale“ junge Frau, die vor Liebe so manches Mal blind ist. Doch nun werden ihr auf unangenehme Weise die Augen geöffnet und ein Kampf ums Überleben beginnt…

Was soll ich sagen? Nach fast vier Jahren war dies mein erster Rizzoli/Isles-Thriller, den ich gelesen habe. Die letzten Teile habe ich sogar nur noch auf Englisch gelesen, da Tess Gerritsen zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehörte und mir das Warten auf die deutsche Übersetzung einfach zu lange dauerte. Ich hätte wirklich gedacht, dass mir das Buch gefällt, aber nicht, dass ich so begeistert sein würde und selbst den Wust an Blut und Gedärmen fast ignorieren konnte.
Von der ersten Seite an fühlte ich mich wie zu Hause angekommen. Ich war sofort wieder in dem Privatleben meiner Lieblingscharaktere im Thriller-Bereich drin, konnte alle fallenden Namen problemlos zuordnen. Da es zu diesen Büchern auch eine TV-Serie gibt, fiel es mir anfangs etwas schwer, mir meine Jane und Maura wieder vor Augen zu führen (dort sind sie das genaue Gegenteil von der Buchbeschreibung), aber dann ging es doch wieder ganz leicht. Wer die Autorin kennt, weiß auch, dass man am besten mit dem ersten Teil der Serie anfängt, damit man die private Entwicklung chronologisch mitverfolgen kann. In diesem Buch wird lustigerweise an die erste Begegnung zwischen den beiden Frauen, sowie zwischen Rizzoli und ihrem Mann erinnert.
Die Story beinhaltet zwei verschiedene Erzählstränge, die sich in Botswana und Boston abspielen. Zudem wird der afrikanische Strang in der ersten Person, der amerikanische in der dritten Person erzählt, was mir sehr gut gefiel. Die Geschichte baut sich langsam auf, man sucht unwillkürlich nach der Verbindung der verschiedenen Erzählperspektiven. Sofort ist der Leser dabei, das Puzzle selbst zusammensetzen zu wollen. Es werden genügend Hinweise gestreut, die nach und nach ein Ganzes ergeben. Dazu kommt noch das Legen falscher Fährten und die faszinierende Arbeit einer Pathologin, was dieses Buch für mich noch interessanter und spannender machte. Einen bestimmten Zusammenhang konnte man relativ bald erkennen, aber des Rätsels Lösung war es trotzdem noch lange nicht.
Die Familie der Katzen, darunter auch Großkatzen, spielt hier eine große Rolle. Diese Passagen wurden sehr schön und eindringlich geschildert. Man ist fasziniert von dieser Tierart, hat aber auch gleichzeitig einen unheimlichen Respekt vor ihr – immerhin handelt es sich um Raubtiere, die leicht eine Bedrohung für den Menschen darstellen können!
Der deutsche und auch der Originaltitel erhalten in der Story noch ihren Bezug, was mir persönlich immer sehr wichtig ist.

Mein Fazit

Tess Gerritsen hat mich nach längerer Abstinenz mit dem mittlerweile elften Band ihrer Reihe um Rizzoli und Isles total begeistert. Der Schreibstil ist einfach nur klasse, die Vermischung ihres eigentlichen Berufes und dem Schreiben ist brillant. Tess Gerritsen ist eine wahre Meisterin ihres Fachs! Die private Entwicklung ihrer Protagonisten und das Einbringen von altbekannten Figuren trägt zu einem Gefühl von Familientreffen bei. Ich habe mich nicht eine Minute unwohl gefühlt, obwohl die Autorin an Blut, Knochenteilen und Gedärmen so einiges zu bieten hatte. Doch zu keiner Zeit wirkte dies übertrieben oder gar blutrünstig. Der Schreibstil hat sich in den letzten Jahren in dieser Beziehung nicht zum Negativen gewandelt. Die Identität des Mörders war mir bis zur Auflösung nicht klar, der Leser wird geschickt auf falsche Fährten gelockt. Für mich war dieses Buch eine wahre Meisterleistung (wie schon so viele von Tess Gerritsen) und ich vergebe sehr gerne 5 von 5 möglichen schwarzen Katzen für „Der Schneeleopard“.


Die Reihe:

Die Chirurgin
Der Meister
Todsünde
Schwesternmord
Scheintot
Blutmale
Grabkammer
Totengrund
Grabesstille
Abendruh
Der Schneeleopard

Die Autorin

So gekonnt wie Tess Gerritsen vereint niemand erzählerische Raffinesse mit medizinischer Detailgenauigkeit und psychologischer Glaubwürdigkeit der Figuren. Bevor sie mit dem Schreiben begann, war die Autorin selbst erfolgreiche Ärztin. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit dem Thriller »Die Chirurgin«, in dem Detective Jane Rizzoli und Pathologin Maura Isles erstmals gemeinsam ermitteln. Tess Gerritsen lebt mit ihrer Familie in Maine.

www.tess-gerritsen.de

416 Seiten
ISBN 978-3-8090-2637-2
Preis: 19,99 Euro

© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich noch recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Exemplars bedanken!

Kommentare:

  1. Das Buch steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

    Liebe Grüße

    nicigirl85

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    1. Das freut mich doch :) Die Serie ist einfach klasse!

      LG:)

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  2. Ich muss endlich mal weiter lesen :).

    Ich mag die Bücher echt gern :) <3

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    1. Die sind aber auch toll! Ich war sofort wieder absolut gefangen <3

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