Samstag, 11. Oktober 2014

Haus der Geister von John Boyne



erschienen bei Piper

England 1867. Die junge Eliza Caine fährt in die englische Grafschaft Norfolk, um eine Stellung als Gouvernante anzutreten. Als sie an einem nebeligen Novemberabend müde und durchgefroren die Empfangshalle von Gaudlin Hall betritt, wird sie von ihren beiden Schützlingen Isabella und Eustace freudig begrüßt. Zu ihrer Überraschung stellt sie fest, dass außer den beiden Kindern niemand in dem alten viktorianischen Anwesen lebt – bis sie erkennen muss, dass sie dennoch nicht alleine sind. Etwas verfolgt sie und trachtet ihnen nach dem Leben. Eliza muss längst begrabene, tödliche Geheimnisse enträtseln, wenn sie nicht selbst den düsteren Mauern von Gaudlin Hall zum Opfer fallen will. (Klappentext)

Ein richtig tolles Cover ist der Hingucker dieses Buches. Es wirkt total geisterhaft mit dem Mädchen als Motiv. Diese Textstelle wird innerhalb der Story auch noch beschrieben, ist also keineswegs fiktiv. Auch der Einbanddeckel ist sehr schön gestaltet worden. Die Geschichte besteht aus 26 Kapiteln, die in der ersten Person geschildert werden.

Eliza Caine hat in London nichts mehr, was sie noch dort hält. So trifft sie Hals über Kopf eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändert: Sie nimmt eine Stelle als Gouvernante in Gaudlin Hall in Norfolk an. Aber, wo sind hier die Erwachsenen? Warum verhalten sich die Kinder so merkwürdig? Was ist bloß in diesem Haus los?


Endlich mal eine gruselige Geistergeschichte, und das noch im Halloween-Monat – passt einfach perfekt, dachte ich mir. Ob ich mich wirklich sehr gegruselt habe, erfahrt ihr hier:
Eliza ist eine sehr bodenständige und pflichtbewusste Protagonistin, die sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lässt. Stellenweise zweifelt sie selbst an, was sie sieht oder meint zu sehen. Diese Reaktion habe ich nicht erwartet. Ausserdem ist Eliza auch eher eine etwas „untypische“ Frau für das Jahr 1867. Sie ist wesentlich weltoffener als die meisten Frauen und stellenweise auch sehr resolut.
Die Kinder Isabella, 12 Jahre alt und Eustace, 8 Jahre alt, sind schon etwas Besonderes. Gerade Isabella wirkt einerseits sehr kindlich, andererseits aber auch viel zu erwachsen für ihr Alter. Warum sie Eliza immer mit dem Vor- und Nachnamen anspricht wird wohl ihr Geheimnis bleiben.
Der kleine Eustace wirkt sehr liebebedürftig und anhänglich. Auch er verhält sich nicht wirklich so, wie man es von einem 8-Jährigen erwarten würde.

Was bei uns zu Hause ganz natürlich schien – sie verabschiedeten sich jeden Morgen mit einem Kuss, saßen abends beim Lesen nebeneinander statt in getrennten Zimmern, hatten ein gemeinsames Schlafzimmer, lachten viel miteinander, berührten sich häufig und sagten immer wieder, wie glücklich sie waren -, war in anderen Familien undenkbar.
Seite 34

Die Atmosphäre ist perfekt von dem Autor gewählt worden. Stets ist es neblig, ein Sturm zieht auf oder es regnet. Dies zieht sich auch durch die gesamte Story.
Viele rätselhafte Vorfälle ereignen sich, die man sich auch als Leser nicht richtig erklären kann. Wobei ich sagen muss, dass ich bei einer Szene in Kapitel 12 eher belustigt war. Auf mich wirkte besagte Szene einfach nur lächerlich und keineswegs gruselig. Schade.
Die massenhaften Andeutungen seitens der verschiedenen Leute, die sich in der Geschichte herumtreiben, machten nicht nur Eliza ganz wahnsinnig. Nein, auch ich wurde mit der Zeit immer kribbeliger… Es gibt einfach keine klaren Infos, so dass der Leser sehr lange im Dunkeln gelassen wird. Gerade hinsichtlich der Hausherren von Gaudlin Hall. Die Auflösung dazu fand ich zwar schon schockierend, aber leider nicht so gruselig wie erhofft. Überhaupt hatte ich mir mehr Gänsehaut erhofft, aber dieses Buch sorgte bei mir für keine schlaflosen Nächte.

John Boyne hat mir mit seinem Roman „Haus der Geister“ nette Lesestunden beschert. Die Atmosphäre war sehr passend beschrieben, die Protagonisten mehr oder weniger sympathisch. Leider hat mich die Auflösung nicht ganz so vom Hocker gehauen, wie ich es mir erhofft habe. Dafür wirkte es schon bald zu logisch, wenn man diesen Begriff in dem Zusammenhang überhaupt wählen kann. Auf dem hinteren Buchdeckel heißt es: „Eine unheimlich gute Geistergeschichte“ – dem kann ich nur bedingt zustimmen. Die Story hat seine wahrhaft mysteriösen Momente, aber der Gruselfaktor blieb bei mir doch sehr auf der Strecke. Eine tolle Geschichte mit Geistern und einem nicht leichten Schicksal der Charaktere erhält von mir dennoch 4 von 5 möglichen schwarzen Katzen.


John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der in vielen Ländern auf den Bestsellerlisten stand und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde. »Haus der Geister« ist sein zehnter Roman.

336 Seiten
ISBN 978-3-492-06004-2
Preis: 16,99 Euro
© Cover und Zitatrechte liegen beim Verlag

An dieser Stelle möchte ich mich recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung dieses tollen Exemplars bedanken!

Kommentare:

  1. Bin gerade über deinen Blog gestolpert und da ich John Boyne total gern lese, musste ich deine Rezi sofort verschlingen.
    Ich fand sie sehr schön geschrieben und das Buch wollte ich sowieso haben. Jetzt muss ich es haben :)

    Viele liebe Grüße
    Nelly

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    1. Hey, Nelly:)
      Für mich war es das erste Buch des Autors, aber bestimmt nicht das letzte:)
      Viel Spaß mit dem Buch und lg :)

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    2. Wenn das dein erster Boyne war, musst du unbedingt "Der Junge im gestreiften Pyjama" lesen.
      Das ist mir damals echt ans Herz gegangen.

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    3. Das werde ich mir auf jeden Fall einmal merken und mal recherchieren. Danke für den Tipp, Nelly! :D

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